Tragen die Verkehrsministerien eine Mitschuld an den schweren Unfällen, ausgelöst durch die Lkw-Parkplatznot?

Auf den Autobahnen fehlen massiv Lkw-Parkplätze, Tendenz sogar steigend.

Immer wieder passieren schwere Unfälle bei Rastanlagen, weil Lkw die Zufahrten blockieren. Ein Grund dafür: Es fehlen Tausende von Lkw-Stellflächen. "Die Situation ist katastrophal", heißt es beim Verband.

Parkplätze für Lkw sind knapp. Unzählige und teilweise Jahre dauernde Bauarbeiten beispielsweise entlang der A6 und der A81 verschärfen die Lage der Fahrer. Neun von 66 Parkanlagen in der Region sind dort aktuell geschlossen. Auf den verbliebenen Stellflächen drängen sich die PS-starken Schwergewichte, blockieren Zufahrten und verursachen so Unfälle.


Auf der A6 bei Sinsheim reiht sich Lastwagen hinter Lastwagen. Der Rastplatz Kraichgau ist nur eingeschränkt befahrbar.
Foto: Matthias Heibel; Quelle; Stimme.de vom 25.12.2018

"Die Situation ist für Lkw-Fahrer katastrophal", sagt Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg. "Selbst wenn alle Parkplätze geöffnet wären, fehlten 2500 Stellplätze allein in Baden-Württemberg." Etwa 120 neue entstehen ihm zufolge jedes Jahr. Bei gleichbleibender Lkw-Zahl dauert es 20 Jahre, den aktuellen Mangel zu beseitigen.

Aber dem ist nicht so, der Lkw-Verkehr wächst deutlich an und das Chaos spitzt sich immer mehr zu.

A6-Ausbau fordert Tribut
Zurzeit sind vier von 36 Rastplätzen auf der A81 zwischen Würzburg und Stuttgart gesperrt, auf der A6 zwischen Satteldorf und Hockenheim sind es fünf von 30. Diese Zahlen nennt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Anfrage. Die Gründe: Fahrbahnerneuerungen und der A6-Ausbau. Dort fehlen die fünf Flächen bis 2021.

Autohöfe haben noch Lkw-Parkplatz-Reserven
Auf Anfrage bei der VEDA (Vereinigung Deutscher Autohöfe) erfahren wir, dass es Autohöfe gibt, die noch Parkplätze bauen würden, auf eigene Kosten, also ohne dass hier öffentliche Gelder eingesetzt werden müssen. Umso erstaunlicher auch der Hinweis, dass es Bundesländer gibt, wie Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt, die angesichts des tausendfachen Leids der Lkw-Fahrer und den stetig steigenden schweren Unfällen wegen Überparkung diese noch dazu kostenlosen Lkw-Parkplätze gar nicht wollen, es scheint ihnen egal zu sein, ob viele Lkw-Fahrer weniger stundenlang einen Parkplatz suchen und dann irgendwo neben der Autobahn vegetieren müssen und dass es regelmäßig auch zu Unfällen mit Todesfolge führt.

Aufsehen erregte der schwere Unfall im Januar 2018 auf der A6 bei Heilbronn bei dem wegern einem überfüllten Lkw-Parkplatz der auffahrende Pkw-Fahrer und eine Frau, die in einem Begleitfahrzeug saß, sterben musste. Ebenso erinnert sei an den erst kürzlich stattgefundenen Unfall an der Tank&Rastanlage Jagsttal an der A81 bei dem ein Pkw-Fahrer auf einen unbeleuchteten falsch abgestellten Pkw prallte und starb.

Bei beiden Unfällen waren grob verkehrswidrig parkende Lkw, die aufgrund der herrschenden dramatischen Lkw-Parkplatznot keinen Stellplatz fanden, der Grund.

Dabei stellt sich nun tatsächlich die Frage, ob angesichts dieser dramatischen Tatsachen die Entscheider der Landesverkehrsministerien sich hier mitschuldig machen, wenn sie mit fadenscheinigen Begründungen den Bau von angebotenen Lkw-Parkplätzen verhindern.

Es gilt auch nicht mehr die Ausrede, dass das Ausmaß des Lkw-Parkplatz-Chaos bekannt ist.

Wir werden dazu die Meinungen von Rechtsanwälten einholen und in Kürze berichten.