Niedersachsen kämpft um jeden neuen Autobahn-Lkw-Parkplatz
Bemerkenswerter Workshop hinterfragt die vorhandenen Potenziale
In Hannover veranstaltete das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr am 26.05.2011 einen Workshop. Das Zentrale Thema um das sich alles drehte: „Mit welchen Maßnahmen tritt man entschlossen der immer mehr um sich greifenden Lkw-Parkplatz-Not entgegen?“

- Das grüne frei (free) oder rote besetzt (occupied) ist um ein vielfaches auffälliger und besser lesbar als eine grüne Zahl oder eine rote Null (Schilderzahl nur einmal auf der Autobahn, Verkehr fliest mit hohen Geschwindigkeiten).
- So banal wie es kling, aufgrund der weltweit gleichen Toiletten-Symbolik ist dies jedem, ob Einheimischer oder Ausländer, eindeutig klar.
- Mit dieser einfacheren Anzeige lässt sich das Überparken und das Parken am Autohof-Umfeld mitbetreuen, das heißt im Schnitt 50% mehr Parkstände auslasten!
Bernd Schmidt, Leiter der Abteilung Verkehr in Niedersachsen, gab einen einführenden Überblick.
Für den ruhenden Schwerverkehr gibt es an deutschen Autobahnen zu wenig Lkw-Parkstände. Die Folge sind Überschreitungen der Lenkzeiten, übermüdete Fahrer und unerlaubtes verkehrsgefährdendes Parken mit immer häufiger werdenden schweren Unfällen.
Niedersachsen hat in den beiden vergangen Jahren rund 1.000 neue Parkstände für Lkws geschaffen. Dies führte zwar zu Entlastungen, aber die steigende Nachfrage hat dies bereits wieder kompensiert. Um der Entwicklung im Straßengüterverkehr gerecht zu werden, muss der weitere Ausbau von Parkständen forciert werden, der Handlungsdruck bleibt unverändert hoch.
Manfred Silvanus, Baudirektor und Leiter des Referats S11 im BMVBS nannte die deutschlandweiten Zahlen: „Bis 2010 bereits 5.500 neue Parkstände errichtet, bis Ende 2012 nochmals genau so viele Parkplätze, dies bedeutet 240 Mio Euro sind bereits verbaut, weitere 280 Mio Euro stehen zur Verfügung.“
Das dies nicht reicht, um den bestehenden Fehlbestand abzubauen und dem zukünftigen zusätzlichen Bedarf gerecht zu werden, ist klar. Ein stetiger Verkehrszuwachs im Straßengütertransport ist bis 2025 prognostiziert.
Manfred Silvanus: „Welche Maßnahmen nach 2012 zu treffen sind haben die zuständigen politischen Gremien zu entscheiden.“
„Bereits über 600 Lkw-Parkplätze durch die Aktion „Schilder gegen Parkplätze“ neu in Bayern und Baden-Württemberg geschaffen.
Autohöfe können 10.000 Lkw-Parkplätze in ihren Gewerbegebieten schaffen, Bund und Länder sparen dabei über 120 Mio Euro.“
Sicherheitsparkplätze, Parkplatzreservierungssysteme und Telematik gewinnen an Bedeutung
Einheitliche Lösungen im europäischen Autobahnnetz wären für Fahrer und Firmen von großem Vorteil.
Die konkrete Anzeige von freien Lkw-Stellplätzen, sowohl bei den Autobahn-Raststätten, den Autohöfen und den unbewirtschafteten Parkplätzen, macht enorme Schwierigkeiten.
Dirk Ortmann, Highwaypark GmbH: „Ein automatischer Lkw-Parkplatz ohne regelmäßige Nachjustierung durch Mitarbeiter ist praktisch unmöglich.“
Eine Anzeige der Anzahl der freien Lkw-Stellplätze auf der Autobahn ist aufgrund der gewollten und notwendigen Überparkung sogar kontraproduktiv, denn sie wird niemals die unproblematischen freien Parkstände im Umfeld der Autohöfe und Autobahn-Raststätten abbilden können.
Alexander Ruscheinsky, VEDA: „Den Lkw-Fahrer auf der Autobahn interessiert es nicht, wie viele Parkplätze auf dem angezeigten Parkplatz frei sind, sondern ihn interessiert ausschließlich, ob er mit seinem Fahrzeug noch unterkommt. Es ist wesentlich besser nur „frei“ (free), grünes Symbol oder „besetzt“ (occupied) rotes Symbol zu verwenden und nicht die Zahl der freien Parkplätze anzuzeigen.“

„Schilder gegen Parkplätze“ ein Erfolg
Alexander Ruscheinsky: "Bis zu 10.000 weitere Lkw-Parkplätze über Autohöfe
Bayern und Baden-Württemberg kooperieren bereits eng mit den Autohöfen. Mit „Schilder gegen Parkplätze“ sind bereits über 600 Lkw-Parkplätze neu geschaffen worden. Würde man diese Aktion auf ganz Deutschland ausdehnen, so könnten weitere 2.000 Lkw-Parkplätze geschaffen werden.
Die VEDA hat bereits 2009 angeboten 10.000 Lkw-Parkplätze in Gewerbegebieten in denen Autohöfe liegen mit Kostengarantie zu errichten und an Bund und Länder zu vermieten oder zu verkaufen. Dies würde einen gewaltigen Schritt weg vom Parkplatz-Dilemma bedeuten und Bund und Länder sparen dabei mindestens 120 Mio Euro."
„Welche Maßnahmen zur Schaffung von Lkw-Parkplätzen nach 2012 zu treffen sind haben die zuständigen politischen Gremien zu entscheiden.“
Ist Tank & Rast schuld am Parkplatz-Chaos?
Die Tank & Rast GmbH befürchtet, dass die Autohöfe an Bedeutung gewinnen und droht mit Schadensersatzklagen, wenn Bund und Länder generell mit Autohöfen zusammenarbeiten.
„Niedersachsen wird nach wie vor alle Möglichkeiten ausschöpfen neue Parkplätze zu bauen, dabei hat allererste Priorität der Neubau der Parkplätze und dann Vernetzung und Telematik. Auch Autohöfe sind herzlichst willkommen. Die VEDA soll mit einem konstruktiven Kooperationsvorschlag auf Niedersachsen zukommen.“
Peter Saborowski, Ministerialrat im Wirtschafts- und Verkehrsministerium: „In Niedersachsen sind die Autohöfe herzlichst willkommen. Priorität hat der Neubau von Parkplätzen, egal wo: Auf der Autobahn oder neben der Autobahn.“
Abschließend freute sich der Gastgeber über die große qualifizierte Teilnehmerrunde, die engagierten Vorträge, die lebhaften Diskussionen des Fachpublikums und vor allem über die Möglichkeiten die aufgezeigt wurden und wünscht sich eine baldige Fortsetzung der Veranstaltung mit wiederum neuen positiven Meldungen.
„…Ich wünsche mir lieber neue Lkw-Parkplätze auf unbewirtschafteten Parkplätzen auf der Autobahn, als auf Autohöfen… .“
Verwunderung löste der Vortrag von Mathias Krage, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV) aus, der von unsicheren Autohöfen sprach, obwohl hier bekannterweise rund um die Uhr Personal vorhanden ist. Er wünscht sich lieber neue Parkplätze auf den unbewirtschafteten Parkplätzen auf der Autobahn, zieht es also vor, die Lkw-Fahrer auf größtenteils unbeleuchtete Anlagen zu schicken, abgeschnitten von Essen und Trinken und Sanitär- und Duschkomfort.

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